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14. Responsible Gaming Academy mit Topexperten

12. Mai 2017
Aus dem Unternehmen | Spielerschutz
Spitzen-Referenten aus Großbritannien, den USA und Österreich bei Spielerschutztagung von Casinos Austria und den Österreichischen Lotterien

Was 2004 als „zartes Pflänzchen“ begann, wie es GD Dr. Karl Stoss in seiner Begrüßung nannte, hat sich zu „einer unverzichtbaren Veranstaltung mit eminent hoher Bedeutung entwickelt, die sich auch international einen Namen als eine der wichtigsten einschlägigen Fachtagungen gemacht hat“: Die Responsible Gaming Academy der Casinos Austria und Österreichische Lotterien Gruppe erlebte am 11. Mai ihre 14. Ausgabe und brachte auch diesmal wieder internationale Topexperten zum Thema Spielerschutz ins Studio 44. „Responsible Gaming ist eine Gratwanderung“, merkte Stoss unter Bezug auf den Alpinismus an, „es gilt, das richtige Maß an Schutzmaßnahmen  zu finden, ohne dabei das Geschäft zu sehr zu schmälern oder gar zum Erliegen zu bringen.“

Prof. Mag. Dietmar Hoscher, in der Casinos Austria Gruppe unter anderem für die Themen Responsible Gaming und CSR zuständiger Vorstand, und auch als Vizepräsident der European Casinos Association (ECA) für deren Arbeitsgruppen CSR & Responsible Gaming sowie Regulatory & Legal Affairs verantwortlich, brachte in seinem Impulsreferat den internationalen Status Quo ins Spiel: „Erfreulich ist, dass mittlerweile unter den konzessionierten europäischen Glücksspielanbietern nicht mehr diskutiert wird, ob Responsible Gaming Maßnahmen erforderlich sind, sondern ganz im Gegenteil, die ständige Weiterentwicklung von Responsible Gaming Maßnahmen im Mittelpunkt steht. Casinos Austria war hier federführend an der Entwicklung eines Responsible-Gaming-Standards beteiligt. Diese Fortschritte in ganz Europa dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es noch viel zu tun gibt, um den Spielerschutz weiter zu entwickeln.

Vor allem neue, meist onlinebasierte Angebote stellen laut Hoscher die Branche vor große Probleme: „Es gibt zwar ausreichende technische Möglichkeiten der Regulatorien, aber auf rechtlicher Ebene sowie in der praktischen Zusammenarbeit der jeweiligen staatlichen Behörden sind noch viele Hindernisse zu überwinden.“ Auch die neue Datenschutz-Grundverordnung wirft hier zahlreiche Fragen auf: Der Spielerschutz verpflichtet Glücksspielbetreiber zum Sammeln, Speichern und Verarbeiten von personenbezogenen Daten, während die Datenschutz-Grundverordnung genau solche Tätigkeiten streng limitieren könnte.

Die amerikanische Soziologin Dr. Rachel Volberg setzte sich sehr kritisch mit den negativen Auswirkungen von Glücksspiel auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt auseinander. Zumindest für die USA gelte, dass Glücksspiel zu einer „Umverteilung von unten nach oben“ führe, so Volberg, wozu paradoxerweise die Legalisierung des früher als „Laster“ und als „Sünde“ eingestuften Gamblings beigetragen habe. Volberg: „Früher war Glücksspiel insgesamt geächtet. Dann wurde es zum Entertainment umdefiniert und die damit verbundenen Probleme individualisiert. Wir sprechen von Problemspielern und sehen in der Spielsucht einen Fall für die Medizin.“ Tatsächlich zeigten aber die Daten, dass soziale und kulturelle Faktoren eine sehr große Rolle spielen, denn der Prozentsatz an Problemspielern sei in einkommensschwachen Gruppen deutlich höher. Volberg plädierte daher für einen Responsible-Gaming-Ansatz, der nicht nur psychologische, sondern auch gesellschaftliche Faktoren einschließt.

Psychologe Dr. Ken Winters von der University of Minnesota stellte die besondere Gefahr des Glücksspiels für Jugendliche in den Vordergrund. „Die meisten erwachsenen Problemspieler haben sehr früh begonnen“, so Winters, „daher ist die Vorbeugung in diesen Altersgruppen besonders wichtig.“ Zwar gäbe es in fast allen entwickelten Staaten Alterslimits von 18 oder vielfach sogar 21 Jahren, zugleich aber wächst derzeit die erste Generation heran, die dank Internet und Smartphone jederzeit leichten Zugang zu Glücksspiel hat. Neben nicht konzessionierten, aber trotzdem zugänglichen Angeboten gibt es im Internet eine Fülle von Geschicklichkeitsspielen, bei denen nicht um Geld gespielt wird, die aber trotzdem in ihrer Art dem Glücksspiel ähneln und daher unter kritischer Beobachtung gehalten werden müssen.

Der Brite Dr. Jonathan Parke, Gründer des Konsumentenforschungsinstituts „Sophro“, analysierte die unterschiedlich hohen Risikograde unterschiedlicher Formen von Glücksspiel. Er fand heraus, dass es sowohl für Betreiber als auch für regulierende Behörden schwierig ist zu erkennen sei, wie risikoreich ein Produkt ist und welche Faktoren es problematisch machen: „Es ist eine Herausforderung für beide, mit der Entwicklung der Produkte und den technischen Errungenschaften Schritt zu halten.“ Er nannte etwa Kosten, Geschwindigkeit des Spiels und mögliche Verlusthöhen als Risiko bestimmende Faktoren, und klärte auf, dass es nicht einfach wäre, die Parameter so zu verändern, dass sie zu einer Senkung der Gefahr führen: „Problemspieler sind sehr anpassungsfähig: „Sie spielen dann halt länger oder verlagern ihre Interessen auf andere Spiele.“

Malcolm Bruce, Gründer und Direktor der britischen Responsible-Gaming-Beratungsplattform „Gambling Integrity“ setzte sich mit der Effektivität regulatorischer Maßnahmen für das verantwortungsvolle Handeln und den Spielerschutz auseinander. Sein Ergebnis: Regulierung allein ist nichts. Zertifizierte Standards sind wertlos, wenn sie nicht umgesetzt werden. Und die Einhaltung bzw. die Umsetzung müsse durch unabhängige Prüfer überwachts werden, nicht vom Regulator selbst. Dann könnten regulatorische Maßnahmen durchaus wirksam sein. Regulatorischer Aktionismus könne auch konterproduktiv sein. So würden z.B. cash restrictions (die Einschränkung des Gebrauchs von Bargeld) nicht zur Verbesserung des Spielerschutzes beitragen sondern könnte sogar die Spielsuchtgefahr erhöhen.

Den Abschluss bildete Prim. Univ.-Prof. DDr. Michael Lehofer, Leiter der Abteilungen für Psychiatrie und Psychotherapie am LKH Graz Süd-West, mit seinen Betrachtungen zum Thema „Sehnsucht – Archetyp der Süchte?“. Er sieht die Sehnsucht als den Inbegriff des Prinzips Hoffnung. Andererseits könne die Sehnsucht, dass man mit etwas Wünschenswertem nicht in Berührung sein kann, großes Leid verursachen. „Sehnsucht ist das Kranksein des Sehnens. Sämtliche Sehnsüchte haben am Ende das Ziel der Erfüllung unserer Wünsche nach Sicherheit und Geborgenheit, sowie nach Freiheit“, so Lehofer.

Unter den über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnte Herbert Beck, Bereichsleiter Responsible Gaming der Casinos Austria und Österreichische Lotterien Gruppe, neben MitarbeiterInnen der Unternehmensgruppe auch diesmal wieder Vertreterinnen und Vertreter des Finanz- und des Gesundheitsministeriums sowie renommierter Forschungs-, Beratungs- und Therapieeinrichtungen aus ganz Österreich willkommen heißen.

Fotos zur Veranstaltung finden Sie auf casinos.at

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